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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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des höchsten Grades, überall bemerke ich das nicht Reif-gewordene, das Überreizte oder zu früh Erschlaffte, dasvor der Blüthe Versengte oder Erfrorene, überall wittereich jenenWiderstand der stumpfen Welt das heissteure Verschuldung. Das will es besagen, wenn ichnach Bildungsanstalten verlange und den Zustand derer,die sich so nennen, erbarmungswürdig finde. Wer dieseinideales Verlangen und überhauptideal zu nennenbeliebt und wohl gar damit wie mit einem Lobe michabzufinden meint, dem diene zur Antwort, dass dasVorhandene einfach eine Gemeinheit und eine Schmachist, und dass, wer in klapperdürrem Frost nach Wärmeverlangt, wild werden muss, wenn man dies einidealesVerlangen nennt. Hier handelt es sich um lauter aufdring-liche, gegenwärtige, augenscheinliche Wirklichkeiten: weretwas davon fühlt, der weiss, dass es hier eine Noth giebt,wie Frost und Hunger. Wer aber nichts davon fühlt nun,der hat dann wenigstens einen Maassstab, um zu messen,wo das aufhört, was ichBildung nenne, und bei welchenQuadern der Pyramide sich die Sphäre, die von unten,und die andere, die von oben beherrscht wird, scheidet.Der Philosoph schien sich sehr erhitzt zu haben:wir forderten ihn auf, wieder etwas herumzugehn,während er seine letzten Reden stehend, in der Nähejenes Baumstumpfes, der uns als Zielscheibe für unserePistolenkünste diente, gesprochen hatte. Es wurde füreine Zeit unter uns ganz still. Langsam und nach-denklich schritten wir auf und ab. Wir empfanden vielweniger Beschämung, so thörichte Argumente vorge-bracht zu haben, als eine gewisse Restitution unsererPersönlichkeit: gerade nach den erhitzten und für unsnicht schmeichelhaften Anreden glaubten wir uns demPhilosophen näher, ja persönlicher gestellt zu fühlen.