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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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der derbe muskulöse zum Kampf gerüstete Kameradund Weggenosse, der dem bewunderten, edleren undgleichsam überirdischen Freund das Geleit durch rauheWirklichkeiten giebt und dafür dessen Dankbarkeit erntet.Wenn jetzt dagegen der moderne Staat eine solcheschwärmende Dankbarkeit in Anspruch nimmt, so ge-schieht dies gewiss nicht, weil er sich der ritterlichenDienste gegen die höchste deutsche Bildung und Kunstbewusst wäre: denn nach dieser Seite hin ist seine Ver-gangenheit ebenso schmachvoll wie seine Gegenwart:wobei man nur an die Art und Weise zu denken hat,wie das Andenken an unsre grossen Dichter undKünstler in deutschen Hauptstädten gefeiert wird, undwie die höchsten Kunstpläne dieser deutschen Meisterje von Seite dieses Staates unterstützt worden sind.

Es muss also eine eigne Bewandtniss haben, so-wohl mit jener Staatstendenz, welche auf alle Weise das,was hierBildung heisst, fördert, als mit jener derartiggeförderten Cultur, die sich dieser Staatstendenz unter-ordnet. Mit dem echten deutschen Geiste und einer ausihm abzuleitenden Bildung, wie ich sie dir, mein Freund,mit zögernden Strichen hinzeichnete, befindet sich jeneStaatstendenz in offener oder versteckter Fehde: der Geistder Bildung, der jener Staatstendenz wohlthut und vonihr mit so reger Theilnahme getragen wird, dessentwegensie ihr Schulwesen im Auslande bewundern lässt, mussdemnach wohl aus einer Sphäre stammen, die mit jenemechten deutschen Geiste sich nicht berührt, mit jenemGeiste, der aus dem innersten Kerne der deutschenReformation, der deutschen Musik, der deutschen Philo-sophie so wunderbar zu uns redet, und der, wie einedler Verbannter, gerade von jener von Staatswegenluxuriirenden Bildung so gleichgültig, so schnöde ange-