3&5
Völker stellt, haftet seine wirkliche Theilnahme, soweiter eben ein Lehrer der Bildung ist und sich selbst andem erhabenen Vorbild des Classischen umbilden will.“„Und, täusche ich mich“, sagte der Philosoph, „ichhabe den Argwohn, dass bei der Art, wie jetzt auf denGymnasien Lateinisch und Griechisch gelehrt wird, ge-rade das Können, die bequeme in Sprechen und Schreibensich äussernde Herrschaft über die Sprache verloren geht:etwas, worin sich meine jetzt freilich schon sehr veralteteund spärlich gewordene Generation auszeichnete: währendmir die jetzigen Lehrer so genetisch und historisch mitihren Schülern umzugehen scheinen, dass zuletzt bestenFalls auch wieder kleine Sanskritaner oder etymologischeSprühteufelchen oder Conjecturen-Wüstlinge daraus wer-den, aber keiner von ihnen, zu seinem Behagen, gleichuns Alten, seinen Plato, seinen Tacitus lesen kann. Somögen die Gymnasien auch jetzt noch Pflanzstätten derGelehrsamkeit sein, aber nicht der Gelehrsamkeit, welchegleichsam nur die natürliche und unabsichtliche Neben-wirkung einer auf die edelsten Ziele gerichteten Bildungist, sondern vielmehr jener, welche mit der hypertrophi-schen Anschwellung eines ungesunden Leibes zu ver-gleichen wäre. Für diese gelehrte Fettsucht sind dieGymnasien die Pflanzstätten: wenn sie nicht gar zu Ring-schulen jener eleganten Barbarei entartet sind, die sichjetzt als „deutsche Cultur der Jetztzeit“ zu brüsten pflegt.“„Wohin aber“, antwortete der Begleiter, „sollen sichjene armen zahlreichen Lehrer flüchten, denen die Naturzu wahrer Bildung keine Mitgift verliehen, die vielmehrnur durch eine Noth, weil das Übermaass von Schulenein Übermaass von Lehrern braucht, und um sich selbstzu ernähren, zu dem Ansprüche gekommen sind, Bildungs-lehrer vorzustellen! Wohin sollen sie sich flüchten, wenn