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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Thatsache, dass mit der jetzt an gestrebten Ausnützungdes. Gelehrten im Dienste seiner Wissen schaft die Bildung-des Gelehrten immer zufälliger und unwahrscheinlicherwerde. Denn so in die Breite ausgedehnt ist jetzt dasStudium der Wissenschaften, dass, wer, bei guten, wenn-gleich nicht extremen Anlagen, noch in ihnen etwasleisten will, ein ganz specielles Fach betreiben wird, umalle übrigen dann aber unbekümmert bleibt. Wird er nunschon in seinem Fach über dem vulgus stehen, in allemübrigen gehört er doch zu ihm, das heisst in allen Haupt-sachen. So ein exclusiver Fachgelehrter ist dann demFabrikarbeiter ähnlich, der, sein Leben lang, nichts anderesmacht als eine bestimmte Schraube oder Handhabe, zueinem bestimmten Werkzeug oder zu einer Maschine,worin er dann freilich eine unglaubliche Virtuosität er-langt. In Deutschland, wo man versteht, auch solchenschmerzlichen Thatsachen einen gloriosen Mantel desGedankens überzuhängen, bewundert man wohl gardiese enge Fachmässigkeit unserer Gelehrten und ihreimmer weitere Abirrung von der rechten Bildung als einsittliches Phänomen: die „Treue im Kleinen“, die

„Kärrnertreue“ wird zum Prunkthema, die Unbildungjenseits des Fachs wird als Zeichen edler Genügsamkeitzur Schau getragen.

Es sind Jahrhunderte vergangen, in denen es sichvon selbst verstand, dass man unter einem Gebildetenden Gelehrten und nur den Gelehrten begriff; von denErfahrungen unserer Zeit aus würde man sich schwerlichzu einer so naiven Gleichstellung veranlasst fühlen. Dennjetzt ist die Ausbeutung eines Menschen zu Gunsten derWissenschaften die ohne Anstand überall angenommeneVoraussetzung: wer fragt sich noch, was eine Wissen-schaft werth sein mag, die so vampyrartig ihre Ge-