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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Das Individuum: der differenzirende apollinische Trieb,Formen und damit scheinbar Individuen schaffend.

Der apollinische Homer ist nur der Fortsetzer jenesallgemein menschlichen Kunstprocesses, dem wir dieIndividuation verdanken. Der Dichter geht voran, ererfindet die Sprache, differenzirt,

dh

Die unbewusste formenbildende Kraft zeigtsich bei der Zeugung: hier doch ein Kunsttrieb thätig.

Es scheint der gleiche Kunsttrieb zu sein, der denKünstler zum Idealisiren der Natur zwingt und der jedenMenschen zum bildlichen Anschauen seiner selbst und derNatur zwingt. Zuletzt muss er die Construction desAuges veranlasst haben. Der Intellect erweist sich alseine Folge eines zunächst künstlerischen Apparates.

Das Erwachen des Kunsttriebes differenzirt die ani-malischen Geschöpfe. Dass wir die Natur so sehen, sokünstlerisch sehen, theilen wir mit keinem Thier. Aberes giebt auch eine künstlerische Gradation der Thiere.

Die Formen zu sehen ist das Mittel, über dasfortwährende Leiden des Triebes hinauszukommen. Esschafft sich Organe.

Dagegen der Ton! Er gehört nicht der Erscheinungs-welt an, sondern redet von dem Nieerscheinenden, ewigverständlich. Er verbindet, während das Auge trennt.

8 .

Der Dichter überwindet den Kampf ums Dasein,indem er ihn zu einem freien Wettkampf idealisirt. Hier

Nietzsche, Werke II. Abtheilung. Bd. IX.

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