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(1872.)
Wenn man von Humanität redet, so liegt die Vor-stellung zu Grunde, es möge das sein, was den Menschenvon der Natur abscheidet und auszeichnet. Aber einesolche Abscheidung giebt es in Wirklichkeit nicht: die„natürlichen“ Eigenschaften und die eigentlich „mensch-lich“ genannten sind untrennbar verwachsen. Der Mensch,in seinen höchsten und edelsten Kräften, ist ganzNatur und trägt ihren unheimlichen Doppelcharakter ansich. Seine furchtbaren und als unmenschlich geltendenBefähigungen sind vielleicht sogar der fruchtbare Boden,aus dem allein alle Humanität, in Regungen Thaten undWerken, hervorwachsen kann.
So haben die Griechen, die humansten Menschender alten Zeit, einen Zug von Grausamkeit, von tiger-artiger Vernichtungslust an sich: ein Zug, der auchin dem in’s Groteske vergrössernden Spiegelbilde desHellenen, in Alexander dem Grossen, sehr sichtbarist, der aber in ihrer ganzen Geschichte, ebenso wiein ihrer Mythologie uns, die wir mit dem weichlichenBegriff der modernen Humanität ihnen entgegenkommen,in Angst versetzen muss. Wenn Alexander die Füssedes tapferen Vertheidigers von Gaza, Batis, durchbohrenlässt und seinen Leib lebend an seinen Wagen bindet,
Nietzsche, Werke II. Abtlieilung, Bd.IX. 18