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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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zum Buche zurück und gestehen uns, dass uns dieunnatürliche Vermittelung des gedruckten Wortes natür-licher dünkt als die Vermittelung des gesprochenenWortes in der sinnlich erscheinenden Handlung. Ver-suchen wir aber nun selbst einmal, das was wir inschweigsamer Ergriffenheit gelesen haben, uns laut mitmimischer Differenzirung der Stimme vorzulesen, so wer-den wir wiederum darüber perplex, dass uns die eigne Vor-tragsweise im Gegensatz zu jener Ergriffenheit gänzlichunadäquat, ja unwürdig erscheint, so dass wir uns jetztin ein allgemeines pathetisch monotones Recitiren flüchten,wodurch wir wenigstens unserer Erhebung genug gethanzu haben fühlen. Dieser pathetisch monotone Klang derStimme ist es nun, aus dem die gesammte Redeweiseder schillerschen Gestalten, ja eine grosse Anzahl dieserGestalten selbst geboren ist: womit uns die Bürgschaftgegeben ist, dass unsre einmal nicht zu unterdrückendeästhetische Empfindung von allen Vortragsweisen dasmonotone Pathos am höchsten schätzt und als den nor-malen Ausdruck der recitirten Poesie betrachtet. Wasist nun dieses in der Natur gar nicht vorgebildete undrecht eigentlich unnatürliche Pathos? Es ist der Aus-druck eines moralischen Zustandes: der Gegensatz derästhetischen Welt zu unsrer eignen Wirklichkeit kommtuns zu allernächst und am stärksten als moralischeEmpfindung zu Gemüthe, als Empfindung der ästhetischenUnnatur unsrer Welt im Vergleich mit der Natur derkünstlerischen Welt, ja als Empfindung unseres unästhe-tischen durchaus moralischen Wesens. Das ästhetischeGeniessen äussert sich in uns zuerst als moralische Er-hebung: womit gesagt ist, dass wir nur erst von unserermoralischen Erhebung aus die Kunst verstehen, so dassdie moralische Forderung bei uns über die Form des