22g
schunden werden — sie leugnen es selbst nicht, dieAufrichtig-Unglücklichen!
Wir hatten ein leidenschaftliches den Zuhörer fort-reissendes Drama vorausgesetzt, das auch ohne Musikseiner Wirkung gewiss sei: ich fürchte, das was an ihm„Dichtung“ und nicht eigentliche „Handlung“ ist, wirdsich zu wahrer Dichtung ähnlich verhalten wie die dra-matische Musik zur Musik überhaupt: es wird Erinnerungs-und Aufregungsdichtung sein. Die Poesie wird als Mitteldienen, um conventionsmässig an Gefühle und Leiden-schaften zu erinnern, deren Ausdruck durch wirklicheDichter gefunden und mit ihnen berühmt, ja normal ge-worden ist. Sodann wird ihr zugemuthet werden, dereigentlichen „Handlung“, sei das nun eine criminalistischeSchreckensgeschichte oder eine verwandlungstolle Zauberei,in den gefährlichen Momenten aufzuhelfen und um dieRohheit der Action selbst einen verhüllenden Schleierzu breiten. Im Gefühl der Scham, dass die Dichtungnur Maskerade ist, die kein Tageslicht verträgt, verlangtnun eine solche „dramatische“ Dichterei nach der „dra-matischen“ Musik: wie anderseits dem Dichterling solcherDramen wieder der dramatische Musiker auf dreivierteldes Wegs entgegenläuft, mit seiner Begabung zur Trommelund zum Signalhorn und seiner Scheu vor echter, sichvertrauender und selbstgenugsamer Musik. Und nunsehn sie sich und umarmen sich, diese apollinischen unddionysischen Caricaturen, dieses par nobile fratrum!