149
unnatürlichen Verschmelzung die Noth entstanden ist,jene erstere Gier vor dem Kunstbedürfnisse zu entschul-digen und zu weihen. Deshalb glaubt man an die „Würdedes Menschen“ und die „Würde der Arbeit“.
Die Griechen brauchen solche Begriffs-Hallucinationennicht, bei ihnen spricht sich mit erschreckender Offenheitaus, dass die Arbeit eine Schmach sei —- und eine ver-borgenere und seltner redende, aber überall lebendigeWeisheit fügte hinzu, dass auch das Menschending einschmähliches und klägliches Nichts und eines „SchattensTraum“ sei. Die Arbeit ist eine Schmach, weil dasDasein keinen Werth an sich hat: wenn aber eben diesesDasein im verführenden Schmuck künstlerischer Illusionenerglänzt und jetzt wirklich einen Werth an sich zu habenscheint, so gilt auch dann noch jener Satz, dass dieArbeit eine Schmach sei — und zwar im Gefühle derUnmöglichkeit, dass der um das nackte Fortlebenkämpfende Mensch Künstler sein könne. In der neuerenZeit bestimmt nicht der kunstbedürftige Mensch, sondernder Sklave die allgemeinen Vorstellungen: als welcherseiner Natur nach alle seine Verhältnisse mit trügerischenNamen bezeichnen muss, um leben zu können. SolchePhantome, wie die Würde des Menschen, die Würde derArbeit, sind die dürftigen Erzeugnisse des sich vor sichselbst versteckenden Sklaventhums. Unselige Zeit, in derder Sklave solche Begriffe braucht, in der er zum Nach-denken über sich und über sich hinaus aufgereizt wird!Unselige Verführer, die den Unschuldstand des Sklavendurch die Frucht vom Baume der Erkenntniss vernichtethaben! Jetzt muss dieser sich mit solchen durchsichtigenLügen von einem Tage zum andern hinhalten, wie siein der angeblichen „Gleichberechtigung aller“ oder inden sogenannten „Grundrechten des Menschen“, des