VI.
Nachträge aus einer „erweiterten Form derGeburt der Tragödie“ („Ursprung und Zielder Tragödie“).
(Winter 1870/71.)
i. Vorwort an Richard Wagner.
Von Ihnen weiss ich es, mein verehrter Freund, vonIhnen allein, dass Sie mit mir einen wahren und einenfalschen Begriff der „griechischen Heiterkeit“ unter-scheiden und den letzteren — den falschen — im Zu-stande ungefährdeten Behagens auf allen Wegen undStegen antreffen; von Ihnen weiss ich gleichfalls, dassSie es für unmöglich halten, von jenem falschen Heiter-keitsbegriffe aus zur Einsicht in das Wesen der Tragödiezu kommen. Deshalb gebührt Ihnen die nachfolgendeErörterung über Ursprung und Ziel des tragischen Kunst-werks, in der der schwierige Versuch gemacht wordenist, unsere in diesem ernsten Probleme so wunderbarconsonirende Empfindung in Begriffe zu übertragen. Dasswir aber mit einem ernsthaften Problem zu thun haben,muss dem wohl- und übelgesinnten Leser zu seinemErstaunen deutlich werden, wenn er sieht, wie Himmelund Hölle zu seiner Erklärung in Bewegung gesetztwerden müssen, und wie wir zum Schlüsse genöthigt