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Die neue Kunstwelt, die des Erhabenen und desLächerlichen, die der „Wahrscheinlichkeit", beruhte aufeiner anderen Götter- und Weltanschauung als die älteredes schönen Scheins. Die Erkenntniss der Schreckenund Absurditäten des Daseins, der gestörten Ordnungund der unvernünftigen Planmässigkeit, überhaupt desungeheuersten Leidens in der ganzen Natur hatte dieso künstlich verhüllten Gestalten der Moira und der Erin-nyen, der Meduse und der Gorgo entschleiert: die olym-pischen Götter waren in höchster Gefahr. Im tragisch-komischen Kunstwerk wurden sie gerettet, indem auchsie in das Meer des Erhabenen und des Lächerlichengetaucht wurden: sie hörten auf nur „Schön“ zu sein,sie saugten gleichsam jene Götterordnung und ihre Er-habenheit in sich auf. Jetzt schieden sie sich in zweiGruppen, nur wenige schwebten inmitten, als bald er-habene, bald lächerliche Gottheiten. Vor allem empfiengDionysus selbst jenes zwiespältige Wesen.
§ 7 -
An zwei Typen zeigt sich am besten, wie man jetztin der tragischen Periode des Griechenthums wieder lebenkonnte, an Äschylus und Sophokles. Das Erhabene er-scheint dem ersten als Denker am meisten in der gross-artigen Gerechtigkeit. Mensch und Gott stehen bei ihmin engster subjectiver Gemeinsamkeit: (das Göttliche Ge-rechte Sittliche und das Glückliche sind für ihn einheit-lich in einander geschlungen. Nach dieser Wage wirddas Einzelwesen, Mensch oder Titan, gemessen. DieGötter werden nach dieser Gerechtigkeitsnorm reconstruirt.So wird zum Beispiel der Volksglaube an den verblenden-den, zur Schuld verführenden Dämon — ein Rest jener