Druckschrift 
9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

73

3i.

Der Selbstmord ist philosophisch nicht zu wider-legen. Er ist das einzige Mittel, von dieser augenblick-lichen Configuration des Willens loszukommen. Warumsollte es nicht erlaubt sein, etwas wegzuwerfen, was daszufälligste Natur er eigniss minütlich zertrümmern kann?Ein kalter Lufthauch kann tödtlich sein: ist eine Laune,die das Leben wegwirft, nicht immer noch rationeller alsso ein Lufthauch? Es ist doch nicht das absolut Dumme,das es wegwirft.

Die Hingabe an den Weltprocess ist ebenso dummals die individuelle Willensverneinung, weil ersterer blossein Euphemismus für Process der Menschheit ist und mitderen Absterben für den Willen gar nichts gewonnenist. Eine Menschheit ist etwas eben so Kleines wie dasIndividuum. Wenn der Selbstmord auch nur ein Ex-periment ist! Warum nicht!

Zudem hat die Natur dafür gesorgt, dass nicht zuviele zu dieser That schreiten, und die wenigsten ausreiner Erkenntniss desalles ist eitel. Die Natur ver-strickt uns nach allen Seiten: die Pflichten, die Dankbar-keiten, alles dies sind Schlingen des allmächtigen Willens,in denen er uns fängt.

32 -

Die eine Seite der Welt ist rein mathematisch,die andere ist nur Wille, Lust und Unlust.

Erkenntniss von absolutem Werthe rein in Zahl undRaum. Die andere ist ein Anerkennen von Trieben undderen Abschätzen.