mögen des Dichters wird von Plato, weil dies nicht diebewusste Einsicht in das Wesen der Dinge sei, zu aller-meist nur ironisch behandelt und dem Talente der Wahr-sager und Zeichendeuter gleichgeachtet. Nicht eher seider Dichter fähig zii dichten, als bis er begeistert ge-worden und bewusstlos, und kein Verstand mehr in ihmwohne. Diesen „unverständigen“ Künstlern stellt Platodas Bild des wahren Künstlers gegenüber, des philo-sophischen und giebt nicht undeutlich zu verstehen, dasser selbst der Einzige sei, der dies Ideal erreicht habe,und dessen Dialoge in dem vollkommnen Staate gelesenwerden dürfen. Das Wesen des platonischen Dialogs,ist aber die durch Mischung aller vorhandnen Formenund Stile erzeugte Formlosigkeit und Stillosigkeit. Essollte vor allem an dem neuen Kunstwerk nicht das aus-zusetzen sein, was nach der platonischen Auffassungder Grundmangel des alten war; es sollte nicht Nach-ahmung eines Scheinbildes sein d. h. nach dem gewöhn-lichen Begriff: es sollte für den platonischen Dialognichts Naturwirkliches geben, das nachgeahmt wordenwäre. So schwebt er zwischen allen Kunstgattungen,zwischen Prosa und Poesie, Erzählung, Lyrik, Drama,wie er auch das strenge ältere Gesetz der einheit-lichen stilistisch sprachlichen Form durchbrochen hat.Zu noch grösserer Verzerrung wird der Sokratismusbei den cynischen Schriftstellern gesteigert: sie suchenin der grössten Buntscheckigkeit des Stils, im Hin-und Herschwanken zwischen prosaischen und metrischenFormen gleichsam das silenenhafte äussere Wesen desSokrates, seine Krebsaugen, Wulstlippen und Hängebauchwiederzuspiegeln.
Wer wird im Hinblick auf die sehr tief greifenden,hier nur angerührten unkünstlerischen Wirkungen des