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dienen, die Figuren zu beleben, ohne die Umrisse zuzerstören. Die Musik ist also durchaus nur als Mittelzum Zweck verwendet worden: ihre Aufgabe war es,das Erleiden des Gottes und des Helden in stärkstesMitleiden bei den Zuhörern umzusetzen. Nun hat jaauch das Wort dieselbe Aufgabe, aber es wird ihm vielschwerer und nur auf Umwegen möglich, dieselbe zulösen. Das Wort wirkt zunächst auf die Begriffsweltund von da aus erst auf die Empfindung, ja häufig genugerreicht es, bei der Länge des Wegs, sein Ziel gar nicht.Die Musik dagegen trifft das Herz unmittelbar, als diewahre allgemeine Sprache, die man überall versteht.
Freilich findet man noch jetzt über die griechischeMusik Ansichten verbreitet, als ob sie am allerwenigsteneine solche allgemein verständliche Sprache gewesen sei,sondern vielmehr eine auf gelehrtem Wege erfundene,aus akustischen Lehren abstrahirte, uns gänzlich fremd-artige Ton weit bedeute. Man trägt sich hier und daz. B. noch mit dem Aberglauben, in der griechischenMusik sei die grosse Terz als ein Missklang empfundenworden. Von solchen Vorstellungen muss man sich gänz-lich frei machen und sich immer Vorhalten, dass unseremGefühl die Musik der Griechen viel näher steht als diedes Mittelalters. Was uns von alten Campositionen er-halten ist, erinnert in seiner scharfen rhythmischen Glie-derung durchaus an unsere Volkslieder: aus dem Volks-lied aber ist die gesammte antike Dichtkunst und Musikhervorgewachsen. Zwar giebt es auch reine Instrumental-musik: doch machte sich in ihr nur das Virtuosenthumgeltend. Der echte Grieche empfand bei ihr immer etwasUnheimisches, etwas aus der asiatischen Fremde Impor-tirtes. Die eigentlich griechische Musik ist durchausVocalmusik: das natürliche Band der Wort- und Ton-
Nietzsche, Werke II. Abtheilung, Bd. IX.
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