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der Einzelne nach seiner künstlerischen Fähigkeit aner-kannte, nannte er jetzt Homer.
Dies ist der Mittelpunkt der homerischen Irrthümer.Der Name Homer hat nämlich von Anfang an weder zudem Begriff ästhetischer Vollkommenheit, noch auch zuIlias und Od)'-ssee eine nothwendige Beziehung. Homerals der Dichter der Ilias und Odyssee ist nicht einehistorische Überlieferung, sondern ein ästhetischesUrtheil.
Der einzige Weg, der uns hinter die Zeit des Pisi-stratus zurückführt und über die Bedeutung des NamensHomer vorwärts bringt, geht einerseits durch die home-rischen Stadtsagen: aus denen auf das unzweideutigsteerhellt, wie überall epische Heroendichtung und Homeridentificirt werden, er dagegen nirgends in einem andernSinne als Dichter der Ilias und Odyssee gilt, als etwader Thebais oder eines andern cyklischen Epos. Andern-theils lehrt die uralte Fabel von einem WettkampfeHomer’s und Hesiod’s, dass man zwei epische Richtungen,die heroische und die didaktische, beim Nennen dieserNamen herausfühlte, dass somit in das Stoffliche, nicht indas Formale die Bedeutung Homer’s gesetzt wurde. Jenerfingirte Wettkampf mit Hesiod zeigt noch nicht einmalein dämmerndes Vorgefühl des Individuellen. Von derZeit des Pisistratus aber an, bei dem erstaunlich schnellenEntwicklungsgänge des griechischen Schönheitsgefühlswurden die ästhetischen Werthunterschiede jener Epenimmer deutlicher empfunden: Ilias und Odyssee tauchtenaus der Fluth empor und blieben seitdem immer auf derOberfläche. Bei diesem ästhetischen Ausscheidungs-process engte sich der Begriff Homer’s immer mehr ein:die alte stoffliche Bedeutung von Homer, dem Vater derepischen Heroendichtung, wandelte sich in die ästhetische