Sinne Ernst gemacht werden soll mit der PersönlichkeitHomer’s, dass Gesetzmässigkeit und innerer Einklang inden Äusserungen der Persönlichkeit überall vorausgesetztwerden, dass man mit zwei vortrefflichen Nebenhypo-thesen alles als nichthomerisch wegwischt, was dieserGesetzmässigkeit widerstrebt. Aber dieser selbe Grund-zug, an Stelle eines übernatürlichen Wesens eine greifbarePersönlichkeit erkennen zu wollen, geht gleichfalls durchalle jene Stadien, die bis zu jenem Höhepunkte führen,und zwar mit immer grösserer Energie und wachsenderbegrifflicher Deutlichkeit. Das Individuelle wird immerstärker empfunden und betont, die psychologischeMöglichkeit eines Homer’s immer kräftiger gefordert.Gehen wir von jenem Höhepunkte schrittweise rückwärts,so treffen wir auf die Auffassung des homerischen Problemsdurch Aristoteles. Ihm gilt Homer als der makelloseund unfehlbare Künstler, der sich seiner Zwecke undMittel wohl bewusst ist: dabei zeigt sich aber in dernaiven Hingabe an die Volksmeinung, die Homer auchdas Urbild aller komischen Epen, den Margites zutheilte,noch ein Standpunkt der Unmündigkeit in historischerKritik. Gehen wir von Aristoteles noch rückwärts, sonimmt die Unfähigkeit, eine Persönlichkeit zu fassen,immer mehr zu; immer mehr Gedichte werden auf denNamen des Homer gehäuft, und jedes Zeitalter zeigtseinen Grad von Kritik darin, wie viel und was es alshomerisch bestehen lässt. Man empfindet unwillkürlichbei diesem langsamen Zurückschreiten, dass jenseits Hero-dot eine Periode liege, in der eine unübersehbare Fluthgrosser Epen mit dem Namen Homer’s identificirtworden sei.
Versetzen wir uns in das Zeitalter des Pisistratus:so umschloss damals das Wort „Homer“ eine Fülle des