Vorwort zu Band IX und X.
Die Fülle der von Friedrich Nietzsche zurück-gelassenen Niederschriften — von ganz embryonalenEntwürfen und Gedanken, von Planschemen, Skizzen,Studien bis zu halb- und dreiviertelsfertigen Büchern —ist eine ganz erstaunliche. Wer die Reihe der acht vonihm selbst veröffentlichten Bände kennt —• reife, stolzeWerke, mit „Blut“ geschrieben, „Text aber keine Noten“wie Wagner von der Geburt der Tragödie schrieb, sämmt-lich Marksteine einer in napoleonischem Tempo verlaufen-den geistigen Entwicklung —, wer dabei bedenkt, dassim Rahmen dieser Werke der Philologe und akademischeLehrer fast ganz noch fehlt, wer schliesslich weiss, dass derzweite Theil dieser glänzenden Schriftstellerlaufbahn einMartyrium, eine Passionsgeschichte war, der wird es kaumglaublich finden, dass diese zweite Abtheilung nicht einmalden ganzen Stoff umfasst, der zurückblieb.
Die Berechtigung, eine solche Nachlassausgabe zuveröffentlichen, kann hier nicht discutirt werden. Genugdass die nachgerade unheimlich angeschwollene Nietzsche-„Litteratur“ nicht undeutlich zeigt, welch weit-, wenn auchnicht immer tief-gehendes Interesse sich dem psycholo-gischen Problem Nietzsche, den Räthseln seiner innerenEntwicklung zuwendet. Niemand aber kann darüber