„Zweck“ nicht oft genug nur ein beschönigender Vor-wand, eine nachträgliche Selbstverblendung der Eitelkeit,die es nicht Wort haben will, dass das Schiff der Strö-mung folgt, in die es zufällig gerathen ist? Dass -esdorthin „will“, weil es dorthin — muss? Dass es wohleine Richtung hat, aber ganz und gar — keinen Steuer-mann? — Man bedarf noch einer Kritik des Begriffs„Zweck“.
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Vom Probleme des Schauspielers. — Das Pro-blem des Schauspielers hat mich am längsten beunruhigt;ich war im Ungewissen darüber (und bin es mitunterjetzt noch), ob man nicht erst von da aus dem gefähr-lichen Begriff „Künstler“ — einem mit unverzeihlicherGutmüthigkeit bisher behandelten Begriff — beikommenwird. Die Falschheit mit gutem Gewissen; die Lust ander Verstellung als Macht herausbrechend, den soge-nannten „Charakter“ bei Seite schiebend, überfluthend,mitunter auslöschend; das innere Verlangen in eine Rolleund Maske, in einen Schein hinein; ein Überschussvon Anpassungs-Fähigkeiten aller Art, welche sich nichtmehr im Dienste des nächsten engsten Nutzens zu be-friedigen wissen: Alles das ist vielleicht nicht nur derSchauspieler an sich? . . . Ein solcher Instinct wird sicham leichtesten bei Familien des niederen Volks ausge-bildet haben, die unter wechselndem Druck und Zwang,in tiefer Abhängigkeit ihr Leben durchsetzen mussten,welche sich geschmeidig nach ihrer Decke zu strecken,auf neue Umstände immer neu einzurichten, immer wiederanders zu geben und zu stellen hatten, befähigt allmäh-lich, den Mantel nach jedem Winde zu hängen unddadurch fast zum Mantel werdend, als Meister jener ein-