deren Gleichen es wahrscheinlich noch nicht auf Erdengegeben hat? . . Selbst wir geborenen Räthselrather, diewir gleichsam auf den Bergen warten, zwischen Heuteund Morgen hingestellt und in den Widerspruch zwischenHeute und Morgen hineingespannt, wir Erstlinge undFrühgeburten des kommenden Jahrhunderts, denen eigent-lich die Schatten, welche Europa alsbald einwickelnmüssen, jetzt schon zu Gesicht gekommen sein sollten:woran liegt es doch, dass selbst wir ohne rechte Theil-nahme für diese Verdüsterung, vor Allem ohne Sorgeund Furcht für uns ihrem Herauf kommen entgegensehn?Stehen v x ir vielleicht zu sehr noch unter den nächstenFolgen dieses Ereignisses — und diese nächsten Folgen,seine Folgen für uns sind, umgekehrt als man vielleichterwarten könnte, durchaus nicht traurig und verdüsternd,vielmehr wie eine neue schwer zu beschreibende Art vonLicht, Glück, Erleichterung, Erheiterung, Ermutliigung,Morgenröthe ... In der That, wir Philosophen und„freien Geister“ fühlen uns bei der Nachricht, dass der„alte Gott todt“ ist, wie von einer neuen Morgenrötheangestrahlt; unser Herz strömt dabei über von Dankbar-keit, Erstaunen, Ahnung, Erwartung, — endlich erscheintuns der Horizont wieder frei, gesetzt selbst, dass er nichthell ist, endlich dürfen unsre Schiffe wieder auslaufen,auf jede Gefahr hin auslaufen, jedes Wagniss des Er-kennenden ist wieder erlaubt, das Meer, unser Meerliegt wieder offen da, vielleicht gab es noch niemals einso „offnes Meer“. —
344 -
Inwiefern auch wir noch fromm sind. — Inder Wissenschaft haben die Überzeugungen kein Bürger-recht, so sagt man mit gutem Grunde: erst wenn sie