253
Ja, vielleicht giebt es in unserm kämpfenden Innernmanches verborgene Heroenthum, aber gewiss nichtsGöttliches, Ewig-in-sich-Ruhendes, wie Spinoza meinte.Das bewusste Denken, und namentlich das des Philo-sophen, ist die unkräftigste und desshalb auch die ver-hältnissmässig mildeste und ruhigste Art des Denkens:und so kann gerade der Philosoph am leichtesten überdie Natur des Erkennens irre geführt werden.
334 -
Man muss lieben lernen. — So g _ eht es uns inder Musik: erst muss man eine Figur und Weise über-haupt hören lernen, heraushören, unterscheiden, alsein Leben für sich isoliren und abgrenzen; dann brauchtes Mühe und guten Willen, sie zu ertragen, trotz ihrerFremdheit, Geduld gegen ihren Blick und Ausdruck,Mildherzigkeit gegen das Wunderliche an ihr zu üben: —endlich kommt ein Augenblick, wo wir ihrer gewohntsind, wo wir sie erwarten, wo wir ahnen, dass sie unsfehlen würde, wenn sie fehlte; und nun wirkt sie ihrenZwang und Zauber fort und fort und endet nicht eher,als bis wir ihre demüthigen und entzückten Liebhabergeworden sind, die nichts Besseres von der Welt mehrwollen, als sie und wieder sie. — So geht es uns abernicht nur mit der Musik: gerade so haben wir alle Dinge,die wir jetzt lieben, lieben gelernt. Wir werdenschliesslich immer für unsern guten Willen, unsre Ge-duld, Billigkeit, Sanftmüthigkeit gegen das Fremde be-lohnt, indem das Fremde langsam seinen Schleier ab-wirft und sich als neue unsägliche Schönheit darstellt: —es ist sein Dank für unsre Gastfreundschaft. Auchwer sich selber liebt, wird es auf diesem Wege gelernt