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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
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Geist bis zur Erschöpfung auszugeben, im beständigenSich-Verstellen oder Überlisten oder Zuvorkommen: dieeigentliche Tugend ist jetzt, Etwas in weniger Zeit zuthun als ein Anderer. Und so giebt es nur seltenStunden der erlaubten Redlichkeit: in diesen aber istman müde und möchte sich nicht nurgehen lassen,sondern lang und breit und plump sich hinstrecken.Gemäss diesem Hange schreibt man jetzt seine Briefe;deren Stil und Geist immer das eigentlicheZeichen derZeit sein werden. Giebt es noch ein Vergnügen an Ge-sellschaft und an Künsten, so ist es ein Vergnügen, wiees müdegearbeitete Sclaven sich zurecht machen. Ohüber diese Genügsamkeit derFreude bei unsern Ge-bildeten und Ungebildeten! Oh über diese zunehmendeVerdächtigung aller Freude! Die Arbeit bekommtimmer mehr alles gute Gewissen aüf ihre Seite: derHang zur Freude nennt sich bereitsBedürfniss der Er-holung und fängt an, sich vor sich selber zu schämen.Man ist es seiner Gesundheit schuldig so redet man,wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, eskönnte bald so weit kommen, dass man einem Hangezur mta contemplativa (das heisst zum Spazierengehenmit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtungund schlechtes Gewissen nachgäbe. Nun! Ehedem wares umgekehrt: die Arbeit hatte das schlechte Gewissenauf sich. Ein Mensch von guter Abkunft verbarg seineArbeit, wenn die Noth ihn zum Arbeiten zwang. DerSclave arbeitete unter dem Druck des Gefühls, dass eretwas Verächtliches thue: dasThun selber waretwas Verächtliches.Die Vornehmheit und die Ehresind allein bei otiiim und bellum: so klang die Stimmedes antiken Vorurtheils!