Print 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Place and Date of Creation
Page
175
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

i75

Zwergen, Feen, Centauren, Satyrn, Dämonen und Teufeln,war die unschätzbare Vorübung zur Rechtfertigung derSelbstsucht und Selbstherrlichkeit des Einzelnen: dieFreiheit, welche man dem Gotte gegen die andernGötter gewährte, gab man zuletzt sich selber gegenGesetze und Sitten und Nachbarn. Der Monotheismusdagegen, diese starre Consequenz der Lehre von EinemNormalmenschen also der Glaube an einen Normal-gott, neben dem es nur noch falsche Lügengötter giebtwar vielleicht die grösste Gefahr der bisherigen Mensch-heit: da drohte ihr jener vorzeitige Stillstand, welchen,soweit wir sehen können, die meisten andern Thier-gattungen schon längst erreicht haben; als welche allean Ein Normalthier und Ideal in ihrer Gattung glaubenund die Sittlichkeit der Sitte sich endgültig in Fleischund Blut übersetzt haben. Im Polytheismus lag dieFreigeisterei und Vielgeisterei des Menschen vorgebildet:die Kraft, sich neue und eigne Augen zu schaffen undimmer wieder neue und noch eigenere: sodass es fürden Menschen allein unter allen Thieren keine ewigenHorizonte und Perspectiven giebt.

144.

Religionskriege. Der grösste Fortschritt derMassen war bis jetzt der Religionskrieg: denn er be-weist, dass die Masse angefangen hat, Begriffe mit Ehr-furcht zu behandeln. Religionskriege entstehen erst,wenn durch die feineren Streitigkeiten der Secten die all-gemeine Vernunft verfeinert ist: sodass selbst der Pöbelspitzfindig wird und Kleinigkeiten wichtig nimmt, ja esfür möglich hält, dass dasewige Heil der Seele an denkleinen Unterschieden der Begriffe hänge.