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dische Gefühl, dem alles Natürliche das Unwürdige ansich ist. Den Griechen dagegen lag der Gedanke näher,dass auch der Frevel Würde haben könne — selbstder Diebstahl, wie bei Prometheus, selbst die Ab-schlachtung von Vieh als Äusserung eines wahnsinnigenNeides, wie bei Ajax: sie haben in ihrem Bedürfniss,dem Frevel Würde anzudichten und einzuverleiben, dieTragödie erfunden, — eine Kunst und eine Lust, diedem Juden, trotz aller seiner dichterischen Begabungund Neigung zum Erhabenen, im tiefsten Wesen fremdgeblieben ist.
136.
Das auserwählte Volk. — Die Juden, die sichals das auserwählte Volk unter den Völkern fühlen, undzwar, weil sie das moralische Genie unter den Völkernsind (vermöge der Fähigkeit, dass sie den Menschen insich tiefer verachtet haben als irgend ein Volk) —die Juden haben an ihrem göttlichen Monarchen undHeiligen einen ähnlichen Genuss, wie der war,- welchender französische Adel an Ludwig dem Vierzehnten hatte.Dieser Adel hatte sich alle seine Macht und Selbstherr-lichkeit nehmen lassen und war verächtlich geworden:um diess nicht zu fühlen, um diess vergessen zu können,bedurfte es eines königlichen Glanzes, einer königlichenAutorität und Machtfülle ohne Gleichen, zu der nurdem Adel der Zugang offen stand. Indem man gemässdiesem Vorrecht sich zur Höhe des Hofes erhob und vonda aus blickend Alles unter sich, Alles verächtlich sah,kam man über alle Reizbarkeit des Gewissens hinaus.So thürmte man absichtlich den Thurm der königlichenMacht immer mehr in die Wolken hinein und setzte dieletzten Bausteine der eignen Macht daran.