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Der Werth des Gebetes. — Das Gebet ist fürsolche Menschen erfanden, welche eigentlich nie von sichaus Gedanken haben, und denen eine Erhebung der Seeleunbekannt ist oder unbemerkt verläuft: was sollen Diesean heiligen Stätten und in allen wichtigen Lagen desLebens, welche Ruhe und eine Art Würde erfordern?Damit sie wenigstens nicht stören, hat die Weisheitaller Religionsstifter, der kleinen wie der grossen, ihnendie Formel des Gebetes anbefohlen, als eine lange mecha-nische Arbeit der Lippen, verbunden mit Anstrengungdes Gedächtnisses und mit einer gleichen festgesetztenHaltung von Händen und Füssen und Augen! Da mögensie nun gleich den Tibetanern ihr „om meine fiadme hum“unzählige Male wiederkäuen, oder, wie in Benares, denNamen- des Gottes Ram-Ram-Ram (und so weiter mitoder ohne Grazie) an den Fingern abzählen: oder denWischnu mit seinen tausend, den Allah mit seinen neun-undneunzig Anrufnamen ehren: oder sie mögen sich
der Gebetmühlen .und der Rosenkränze bedienen, — dieFlauptsache ist, dass sie mit dieser Arbeit für eine Zeitfestgemacht sind und einen erträglichen Anblick ge-währen: ihre Art Gebet ist zum Vortheil der Frommenerfunden, welche Gedanken und Erhebungen von sichaus kennen. Und selbst Diese haben ihre müden Stunden,wo ihnen eine Reihe ehrwürdiger Worte und Klängeund eine fromme Mechanik wohlthut. Aber angenommen,dass diese seltnen Menschen — in jeder Religion istder religiöse Mensch eine Ausnahme — sich zu helfenwissen: jene Armen im Geiste wissen sich nicht zu helfen,und ihnen das Gebets-Geklapper verbieten heisst ihnenihre Religion nehmen: wie es der Protestantismus mehr