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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
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auch die Frommen des alten Glaubens sterben aus:retten wir ihr Abbild und ihren Typus wenigstens fürdie Erkenntniss!

123.

Die Erkenntniss mehr als ein Mittel.Auch ohne diese neue Leidenschaft ich meine dieLeidenschaft der Erkenntniss würde die Wissenschaftgefördert werden: die Wissenschaft ist ohne sie bishergewachsen und gross geworden. Der gute Glaube andie Wissenschaft, das ihr günstige Vorurtheil, von demunsre Staaten jetzt beherrscht sind (ehedem war es sog-ardie Kirche), ruht im Grunde darauf, dass jener unbedingteLlang und Drang sich so selten in ihr offenbart hat, unddass Wissenschaft eben nicht als Leidenschaft, sondernals Zustand undEthos gilt. Ja, es genügt oft schonamoiir-ftlaisir der Erkenntniss (Neugierde), es genügtamour-vanite-, Gewöhnung an sie, mit der Hinterabsichtauf Ehre und Brod, es genügt selbst für Viele, dass siemit einem Überschuss von Müsse Nichts anzufangenwissen, als lesen, sammeln, ordnen, beobachten, weitererzählen; ihrwissenschaftlicher Trieb ist ihre Lange-weile. Der Papst Leo der Zehnte hat einmal (im Brevean Beroaldus) das Lob der Wissenschaft gesungen: er be-zeichnet sie als den schönsten Schmuck und den grösstenStolz unsres Lebens, als eine edle Beschäftigung inGlück und Unglück;ohne sie, sagt er endlich, wärealles menschliche Unternehmen ohne festen Halt,auch mit ihr ist es ja noch veränderlich und unsichergenug! Aber dieser leidlich skeptische Papst ver-schweigt, wie alle andern kirchlichen Lobredner derWissenschaft, sein letztes Urtheil über sie. Mag mannun aus seinen Worten heraushören, w'as für einen solchen

Nietzsche, Werke Band V. II