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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
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über den Fluss des Werdens tragen dann meinenwir, eine Göttin zu tragen, und sind stolz und kindlichin dieser Dienstleistung. Als ästhetisches Phänomen istuns das Dasein immer noch erträglich, und durch dieKunst ist uns Auge und Hand und vor Allem das guteGewissen dazu gegeben, aus uns selber ein solches Phä-nomen machen zu können. Wir müssen zeitweilig vonuns ausruhen, dadurch, dass wir auf uns hin und hinabsehen und, aus einer künstlerischen Ferne her, überuns lachen oder über uns weinen; wir müssen denHelden und ebenso den Narren entdecken, der inunsrer Leidenschaft der Erkenntniss steckt, wir müssenunsrer Thorheit ab und zu froh werden, um unsrer Weis-heit froh bleiben zu können! Und gerade weil wir imletzten Grunde schwere und ernsthafte Menschen undmehr Gewichte als Menschen sind, so thut uns Nichtsso gut als die Schelmenkappe: wir brauchen sie voruns selber wir brauchen alle übermüthige, schwebende,tanzende, spottende, kindische und selige Kunst, um jenerFreiheit über den Dingen nicht verlustig zu gehen,welche unser Ideal von uns fordert. Es wäre ein Rück-fall für uns, gerade mit unsrer reizbaren Redlichkeit ganzin die Moral zu gerathen und um der überstrengen An-forderungen willen, die wir hierin an uns stellen, gar nochselber zu tugendhaften Ungeheuern und Vogelscheuchenzu werden. Wir sollen auch über der Moral stehenkönnen: und nicht nur stehen, mit der ängstlichen Steifig-keit eines Solchen, der jeden Augenblick auszugleiten undzu fallen fürchtet, sondern auch über ihr schweben undspielen! Wie könnten wir dazu.der Kunst, wie des Narrenentbehren? Und so lange ihr euch noch irgendwievor euch selber schämt, gehört ihr noch nicht zu uns!