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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
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widerlegen?Also möchtest du für unwiderlegbargelten? sagte sein Jünger. Der Neuerer erwiderte:Ich möchte, dass der Keim zum Baume werde. Damiteine Lehre zum Baume werde, muss sie eine gute Zeitgeglaubt werden: damit sie geglaubt werde, muss siefür unwiderlegbar g-elten. Dem Baume thun Stürme,Zweifel, Gewürm, Bosheit Noth, damit er die Art undKraft seines Keimes offenbar mache; mag er brechen,wenn er nicht stark genug ist! Aber ein Keim wirdimmer nur vernichtet, nicht widerlegt! Als er dasgesagt hatte, rief sein Jünger mit Ungestüm:Aber ichglaube an deine Sache und halte sie für so stark, dassich Alles, Alles sagen werde, was ich noch gegen sieauf dem Herzen habe. Der Neuerer lachte bei sichund drohte ihm mit dem Finger.Diese Art Jünger-schaft, sagte er dann, ist die beste, aber -sie ist gefähr-lich und nicht jede Art Lehre verträgt sie.

107.

Unsere letzte Dankbarkeit gegen die Kunst. Hätten wir nicht die Künste gut geheissen und dieseArt von Cultus des Unwahren erfunden: so wäre dieEinsicht in die allgemeine Unwahrheit und Verlogenheit,die uns jetzt durch die Wissenschaft gegeben wirddie Einsicht in den Wahn und Irrthum als in eine Be-dingung des erkennenden und empfindenden Daseins,gar nicht auszuhalten. Die Redlichkeit würde denEkel und den Selbstmord im Gefolge haben. Nun aberhat unsere Redlichkeit eine Gegenmacht, die uns solchenConsequenzen ausweichen hilft: die Kunst, als den gutenWillen zum Scheine. Wir verwehren es unserm Augenicht immer, auszurunden, zu Ende zu dichten: und dannist es nicht mehr die ewige Unvollkommenheit, die Avir