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— Sehr verschieden steht es mit der ernsten Oper:alle ihre Meister lassen es sich angelegen sein, zu ver-hüten, dass man ihre Personen verstehe. Ein gelegent-lich aufg'erafftes Wort mag dem unaufmerksamen Zuhörerzu Hülfe kommen: im Ganzen muss die Situation sichselber erklären, — es liegt Nichts an den Reden! —so denken sie Alle und so haben sie Alle mit den Wortenihre Possen getrieben. Vielleicht hat es ihnen nur anMuth gefehlt, um ihre letzte Geringschätzung des Wortesganz auszudrücken: ein wenig Frechheit mehr bei Rossini,und er hätte durchweg la-la-la-la singen lassen —und es wäre Vernunft dabei gewesen! Es soll denPersonen der Oper eben nicht „aufs Wort“ geglaubtwerden, sondern auf den Ton! Das ist der Unter-schied, das ist die schöne Unnatürlichkeit, derent-wegen man in die Oper geht! Selbst das recitativosecco will nicht eigentlich als Wort und Text ange-hört sein: diese Art von Halbmusik soll vielmehr demmusikalischen Ohre zunächst eine kleine Ruhe geben(die Ruhe von der Melodie, als dem sublimsten unddesshalb auch anstrengendsten Genüsse dieser Kunst) —,aber sehr bald etwas Anderes: nämlich eine wachsendeUngeduld, ein wachsendes Widerstreben, eine neueBegierde nach ganzer Musik, nach Melodie. — Wieverhält es sich, von diesem Gesichtspunkte aus gesehen,mit der Kunst Richard Wagner’s? Vielleicht ebenso?Vielleicht anders? Oft wollte es mir scheinen, als obman Wort und Musik seiner 'Schöpfungen vor derAufführung auswendig gelernt haben müsste: denn ohnediess — so schien es mir — höre man weder die Worte,noch selber die Musik.