87
52 .
Was Andere von uns wissen. — Das, was wirvon uns selber w'issen und im Gedächtniss haben, ist fürdas Glück unsres Lebens nicht so entscheidend, wie manglaubt. Eines Tages stürzt Das, was Andre von unswissen (oder zu wissen meinen) über uns her — und jetzterkennen wir, dass es das Mächtigere ist. Man wird mitseinem schlechten Gewissen leichter fertig als mit seinemschlechten Rufe.
53 -
Wo das Gute beginnt. — Wo die geringe Seh-kraft des Auges den bösen Trieb wegen seiner Ver-feinerung nicht mehr als solchen zu sehen vermag, dasetzt der Mensch das Reich des Guten an, und die Em-pfindung, nunmehr in’s Reich des Guten übergetreten zusein, bringt alle die Triebe in Miterregung, welche durchdie bösen Triebe bedroht und eingeschränkt waren, wiedas Gefühl der Sicherheit, des Behagens, des Wohlwollens.Also: je stumpfer das Auge, desto weiter reicht dasGute! Daher die ewige Heiterkeit des Volkes und derKinder! Daher die Düsterkeit und der dem schlechtenGewissen verwandte Gram der grossen Denker!
54 -
Das Bewusstsein vom Scheine. — Wie wunder-voll und neu und zugleich wie schauerlich und ironischfühle ich mich mit meiner Erkenntniss zum gesammtenDasein gestellt! Ich habe für mich entdeckt, dass diealte Mensch- und Thierheit, ja die gesammte Urzeit undVergangenheit alles empfindenden Seins in mir fort-