Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
76
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sich für diese oder jene Sache entscheiden zu sehen:Das, was sie reizt, ist der Anblick des Eifers, der umeine Sache ist, und gleichsam der Anblick der bren-nenden Lunte, nicht die Sache selber. Die feinerenVerführer verstehen sich desshalb darauf, ihnen die Ex-plosion in Aussicht zu stellen und von der Begründungihrer Sache abzusehen: mit Gründen gewinnt man diesePulverfässer nicht!

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Veränderter Geschmack. Die Veränderungdes allgemeinen Geschmacks ist wichtiger als die derMeinungen; Meinungen mit allen Beweisen, Wider-legungen und der ganzen intellectuellen Maskerade sindnur Symptome des veränderten Geschmacks und ganzgewiss gerade Das nicht, wofür man sie noch so häufiganspricht, dessen Ursa chen. Wie verändert sich der all-gemeine Geschmack? Dadurch, dass Einzelne, Mächtige,Einflussreiche ohne Schamgefühl ihr hoc est ridiculum,hoc est absurdtim, also das Urtheil ihres Geschmacks undEkels, aussprechen und tj^rannisch durchsetzen: sielegen damit Vielen einen Zwang auf, aus dem allmählicheine Gewöhnung noch Mehrerer und zuletzt ein Be-dürfniss Aller wird. Dass diese Einzelnen aber andersempfinden undschmecken, das hat gewöhnlich seinenGrund in einer Absonderlichkeit ihrer Lebensweise, Er-nährung, Verdauung, vielleicht in einem Mehr oderWeniger der anorganischen Salze in ihrem Blute undGehirn, kurz in der Physis: sie haben aber den Muth,sich zu ihrer Physis zu bekennen und deren Forderungennoch in ihren feinsten Tönen Gehör zu schenken: ihreästhetischen und moralischen Urtheile sind solchefeinsteTöne der Physis.