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und die Lust an der Bosheit. Die Menschen der Cor-ruption sind witzig und verleumderisch; sie wissen, dasses noch andre Arten des Mordes giebt, als durch Dolchund Überfall, — sie wissen auch, dass alles Gutgesagtegeglaubt wird. — Viertens: wenn „die Sitten verfallen“,so tauchen zuerst jene Wesen auf, welche man Tyrannennennt: es sind die Vorläufer und gleichsam die frühreifenErstlinge der Individuen. Noch eine kleine Weile:und diese Frucht der Früchte hängt reif und gelb amBaume eines Volkes, — und nur um dieser Früchtewillen gab es diesen Baum! Ist der Verfall auf seineHöhe gekommen und der Kampf aller Art Tyrannenebenfalls, so kommt dann immer der Cäsar, der Schluss-Tyrann, der derh ermüdeten Ringen um Alleinherrschaftein Ende macht, indem er die Müdigkeit für sich arbeitenlässt. Zu seiner Zeit ist gewöhnlich das Individuum amreifsten und folglich die „Cultur“ am höchsten undfruchtbarsten, aber nicht um seinetwillen und nicht durchihn: obwohl die höchsten Cultur-Menschen ihrem Cäsardamit zu schmeicheln lieben, dass sie sich als sein Werkausgeben. Die Wahrheit aber ist, dass sie Ruhe vonAussen nöthig haben, weil sie ihre Unruhe und Arbeitin sich haben. In diesen Zeiten ist die Bestechlichkeitund der Verrath am grössten: denn die Liebe zu demeben erst entdeckten ego ist jetzt viel mächtiger, als dieLiebe zum alten, verbrauchten, todtgeredeten „Vaterlande“;und das Bedürfniss, sich irgendwie gegen die furchtbarenSchwankungen des Glückes sicherzustellen, öffnet auchedlere Hände, sobald ein Mächtiger und Reicher sichbereit zeigt, Gold in sie zu schütten. Es giebt jetzt sowenig sichere Zukunft: da lebt man für heute: ein Zu-stand der Seele, bei dem alle Verführer ein leichtes Spielspielen, — man lässt sich nämlich auch nur „für heute“
Nietzsche, Werke Band V.
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