I.
Die Lehrer vom Zwecke des Daseins. — Ichmag nun mit gutem oder bösem Blick auf die Menschensehen, ich finde sie immer bei Einer Aufgabe, Alle undjeden Einzelnen in Sonderheit: Das zu thun, was derErhaltung der menschlichen Gattung frommt. Und zwarwahrlich nicht aus einem Gefühl der Liebe für dieseGattung, sondern einfach, weil Nichts in ihnen älter,stärker, unerbittlicher, unüberwindlicher ist als jenerInstinct, — weil dieser Instinct eben das Wesen un-serer Art und Heerde ist. Ob man schon schnell genugmit der üblichen Kurzsichtigkeit auf fünf Schritt hinseine Nächsten säuberlich in nützliche und schädliche,gute und böse Menschen auseinander zu thun pflegt,bei einer Abrechnung im Grossen, bei einem längerenNachdenken über das Ganze wird man gegen diesesSäubern und Auseinanderthun misstrauisch und lässt esendlich sein. Auch der schädlichste Mensch ist vielleichtimmer noch der allernützlichste, in Llinsicht auf die Er-haltung der Art; denn er unterhält bei sich oder, durchseine Wirkung, bei Anderen Triebe, ohne welche dieMenschheit längst erschlafft oder verfault wäre. DerHass, die Schadenfreude, die Raub- und Herrschsuchtund was Alles sonst böse genannt wird: es gehört zuder erstaunlichen Ökonomie der Arterhaltung, freilich zu
Nietzsche, Werke Band V.
3