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Esprit und Moral. — Der Deutsche, welcher sichauf das Geheimniss versteht, mit Geist, Wissen und Ge-rnüth langweilig zu sein, und sich gewöhnt hat, die Lange-weile als moralisch zu empfinden, — hat vor dem franzö-sischen esprit die Angst, er möchte der Moral die Augenausstechen — und doch eine Angst und Lust, wie dasVöglein vor der Klapperschlange. Von den berühmtenDeutschen hat vielleicht Niemand mehr esprit gehabt alsHegel, — aber er hatte dafür auch eine so grosse deutscheAngst vor ihm, dass sie seinen eigenthümlichen schlechtenStil geschaffen hat. Dessen Wesen ist nämlich, dass einKern umwickelt und nochmals und wiederum umwickeltwird, bis er kaum noch hindurchblickt, verschämt undneugierig, — wie „junge Frau’n durch ihre Schleierblicken“, um mit dem alten Weiberhasser Äschylus zureden —: jener Kern ist aber ein witziger, oft vorlauterEinfall über die geistigsten Dinge, eine feine, gewagteWortverbindung, wie so Etwas in die Gesellschaftvon Denkern gehört, als Zukost der Wissenschaft, —aber in jenen Umwicklungen präsentirt es sich alsabstruse Wissenschaft selber und durchaus als höchstmoralische Langeweile! Da hatten die Deutschen eineihnen erlaubte Form des esprit und sie genossen siemit solchem ausgelassenen Entzücken, dass Schopen-hauer’s guter, sehr guter Verstand davor stille stand, —er hat zeitlebens gegen das Schauspiel, welches ihmdie Deutschen boten, gepoltert, aber es nie sich zu er-klären vermocht.