Moralität“, oder gegen Rousseau zurückzuscliliessen, „unseregute Moralität ist Schuld an dieser Erbärmlichkeit derCivilisation. Unsere schwachen, unmännlichen gesell-schaftlichen Begriffe von gut und böse und die unge-heure Überherrschaft derselben über Leib und Seelehaben alle Leiber und alle Seelen endlich schwach ge-macht und die selbständigen, unabhängigen, unbefangenenMenschen, die Pfeiler einer starken Civilisation, zer-brochen: wo man der schlechten Moralität jetzt nochbegegnet, da sieht man die letzten Trümmer dieserPfeiler“. So stehe denn Paradoxon gegen Paradoxon!Unmöglich kann hier die Wahrheit auf beiden Seiten sein:und ist sie überhaupt auf einer von beiden? Man prüfe.
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Vielleicht verfrüht. — Gegenwärtig scheint esso, dass unter allerhand falschen irreführenden Namen,und zumeist in grosser Unklarheit, yon Seiten Derer,welche sich nicht an die bestehenden Sitten und Gesetzegebunden halten, die ersten Versuche gemacht werden,sich zu organisiren und damit sich ein Recht zuschaffen: während sie bisher, als Verbrecher, Freidenker,Unsittliche, Bösewichte verschrieen, unter .dem Banneder Vogelfreiheit und des schlechten Gewissens, verderbtund verderbend, lebten. Diess sollte man im Ganzenund Grossen billig und gut finden, wenn es auch daskommende Jahrhundert zu einem gefährlichen macht undJedem das Gewehr um die Schulter hängt: schon damiteine Gegenmacht da ist, die immer daran erinnert, dasses keine allein-moralisch-machende Moral giebt und dassjede ausschliesslich sich selber bejahende Sittlichkeit zuviel gute Kraft tödtet und der Menschheit zu theuer zu
Nietzsche, Werke Band IV. II