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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
Entstehung
Seite
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noch an den Anderen, sagt die Gedankenlosigkeit.Warum empfindet man Schmerz und Unbehagen mitEinem, der Blut speit, während man ihm sogar böse undfeindlich gesinnt ist? Aus Mitleid: man denkt dabei ebennicht mehr an sich, sagt die selbe Gedankenlosigkeit.Die Wahrheit ist: im Mitleid ich meine in dem,was irreführender Weise gewöhnlich Mitleid genannt zuwerden pflegt, denken wir zwar nicht mehr bewusstan uns, aber sehr stark unbewusst, wie wenn wirbeim Ausgleiten eines Fusses, für uns jetzt unbewusst,die zweckmässigsten Gegenbewegungen machen unddabei ersichtlich allen unseren Verstand gebrauchen. DerUnfall des Andern beleidigt uns, er würde uns unsererOhnmacht, vielleicht unserer Feigheit überführen, wennwir ihm nicht Abhülfe brächten. Oder er bringt schonan sich eine Verringerung unsrer Ehre vor Anderenoder vor uns selber mit sich. Oder es. liegt im Unfälleund Leiden eines Anderen ein Fingerzeig der Gefahrfür uns; und schon als Merkmale der menschlichen Ge-fährdetheit und Gebrechlichkeit überhaupt können sieauf uns peinlich wirken. Diese Art Pein und Beleidi-gung weisen wir zurück und vergelten sie durch eineHandlung des Mitleidens, in ihr kann eine feine Noth-wehr oder auch Rache sein. Dass wir im Grunde starkan uns denken, lässt sich aus der Entscheidung errathen,welche wir in allen den Fällen treffen, wo wir dem An-blicke des Leidenden, Darbenden, Jammernden aus demWege gehen können: wir entschliessen uns, es nichtzu tliun, wenn wir als die Mächtigeren, Helfenden hin-zukommen können, des Beifalls sicher sind, unsern Glücks-Gegensatz empfinden wollen oder auch uns durch denAnblick aus der Langenweile herauszureissen hoffen. Esist irreführend, das Leid, welches uns bei einem solchen