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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
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trotzdem gefunden haben, an der Zunge kleben undwollen nicht heraus: weil sie grob klingen! Oder weilsie die Sittlichkeit zu verleumden scheinen! So zumBeispiel gleich der Hauptsatz: Sittlichkeit ist nichtsAnderes (also namentlich nicht mehr!), als Gehorsamgegen Sitten, welcher Art diese auch sein mögen; Sittenaber sind die herkömmliche Art zu handeln und ab-zuschätzen. In Dingen, wo kein Herkommen befiehlt,giebt es keine Sittlichkeit; und je weniger das Lebendurch Herkommen bestimmt ist, um so kleiner wird derKreis der Sittlichkeit. Der freie Mensch ist unsittlich,weil er in Allem von sich und nicht von einem Her-kommen abhängen will: in allen ursprünglichen Zu-ständen der Menschheit bedeutetböse so viel wieindividuell,frei,willkürlich,ungewohnt,unvorher-gesehen,unberechenbar. Immer nach dem Maassstabsolcher Zustände gemessen: wird eine Handlung gethan,nicht weil das Herkommen sie befiehlt, sondern ausanderen Motiven (zum Beispiel des individuellen Nutzenswegen), ja selbst aus eben den Motiven, welche das Her-kommen ehemals begründet haben, so heisst sie unsittlichund wird so selbst von ihrem Thäter empfunden: denn sieist nicht aus Gehorsam gegen das Herkommen gethanworden. Was ist das Herkommen? Eine höhere Autorität,welcher man gehorcht, nicht weil sie das uns Nützlichebefiehlt, sondern weil sie befiehlt. Wodurch unter-scheidet sich diess Gefühl vor dem Herkommen vondem Gefühl der Furcht überhaupt? Es ist die Furchtvor einem höheren Intellect, der da befiehlt, vor einerunbegreiflichen, unbestimmten Macht, vor etwas mehrals Persönlichem, es ist Aberglaube in dieser Furcht. Ursprünglich gehörte die ganze Erziehung und Pflegeder Gesundheit, die Ehe, die Pleilkunst, der Feldbau,