9
wieder zurückwollen in Das, was uns als überlebt undmorsch gilt, in irgend etwas „Unglaubwürdiges“, heissees nun Gott, Tugend, Wahrheit, Gerechtigkeit, Nächsten-liebe; dass wir uns keine Lügenbrücken zu alten Idealengestatten; dass wir von Grund aus Allem feind sind, wasin uns vermitteln und mischen möchte; feind jeder jetzigenArt Glauben und Christlichkeit; feind dem Halb- undHalben aller Romantik und Vaterländerei; feind auchder Artisten - Genüsslichkeit, Artisten-Gewissenlosigkeit,welche uns überreden möchte, da anzubeten, wo wirnicht mehr glauben — denn wir sind Artisten —; feind,kurzum, dem g-anzen europäischen Femininismus (oderIdealismus, wenn man’s lieber hört), der ewig „hinanzieht“ und ewig gerade damit „herunter bringt“: — alleinals Menschen dieses Gewissens fühlen wir uns noch ver-wandt mit der deutschen Rechtschaffenheit und Frömmig-keit von Jahrtausenden, wenn auch als deren fragwürdigsteund letzte Abkömmlinge, wir Immoralisten, wir Gottlosenvon heute, ja sogar, in gewissem Verstände, als derenErben, als AMllstrecker ihres innersten Willens, einespessimistischen AVillens, wie gesagt, der sich davor nichtfürchtet, sich selbst zu verneinen, weil er mit Lust ver-neint! In uns vollzieht sich, gesetzt, dass ihr eine Formelwollt, — die Selbstaufhebung der Moral. — —
o-
— Zuletzt aber: wozu müssten wir Das, was wir sind,was wir wollen und nicht wollen, so laut und mit solchemEifer sagen? Sehen wir es kälter, ferner, klüger, höheran, sagen wir es, wie es unter uns gesagt werden darf,so heimlich, dass alle Welt es überhört, dass alle Weltuns überhört! Vor Allem sagen wir es langsam . . .