gründlicher, deutscher treiben — wenn das Wort „deutsch“in diesem Sinne heute noch erlaubt ist — als es Kantgetrieben hat: um Raum für sein „moralisches Reich“zu schaffen, sah er sich genöthigt, eine unbeweisbareWelt anzusetzen, ein logisches „Jenseits“, — dazu ebenhatte er seine Kritik der reinen Vernunft nöthig! Andersausgedrückt: er hätte sie nicht nöthig gehabt, wennihm nicht Eins wichtiger als Alles gewesen wäre, das„moralische Reich“ unangreifbar, lieber noch ungreifbarfür die Vernunft zu machen, — er empfand eben dieAngreifbarkeit einer moralischen Ordnung der Dingevon Seiten der Vernunft zu stark! Denn Angesichts vonNatur und Geschichte, Angesichts der gründlichen U n-moralität von Natur und Geschichte war Kant, wiejeder gute Deutsche von Alters her, Pessimist; er glaubtean die Moral, nicht weil sie durch Natur und Geschichtebewiesen wird, sondern trotzdem dass ihr durch Naturund Geschichte beständig widersprochen wird. Man darfsich vielleicht, um dies „trotzdem dass“ zu verstehen, anetwas A^erwandtes bei Luther erinnern, bei jenem an-dern grossen Pessimisten, der es einmal mit der ganzenLutherischen Verwegenheit seinen Freunden zu Gemüthe(führte: „wenn man durch \ r ernunft es fassen
jZorn und Bosheit zeigt, wozu brauchte man'• Glauben?“ Nichts nämlich hat von jeher einen tieferen'Eindruck auf die deutsche .Seele gemacht, Nichts hat siemehr „versucht“, als diese gefährlichste aller Schluss-folgerungen, welche jedem rechten Romanen eine Sündewider den Geist ist: credo quia alsurdum est: — mitihr tritt die deutsche Logik zuerst in der Geschichte deschristlichen Dogma’s auf; aber auch heute noch, ein Jahr-tausend später, wittern wir Deutschen von heute, späte
[der Gott gnädig und gerecht sein könne,
der so viel]
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