425
Dionysische Weisheit: die höchste Kraft, allesUnvollkommne, Leidende als nothwendig (ewigwiederholungswerth) zu fühlen, aus einem Über-drange der schöpferischen Kraft, welche immer wiederzerbrechen muss und die übermüthigsten schwerstenWege wählt (Princip der grösstmöglichsten Dummheit,Gott als Teufel, als Übermuth-Symbol).
(Vgl. oben S. 201, Nachträge z. Zarathustra, Nr. 20.)
Der bisherige Mensch, — gleichsam ein Embryondes Menschen der Zukunft, — alle gestaltenden Kräfte,die auf diese hinzielen, sind in ihm: und weil sie unge-heuer sind, so entsteht für das jetzige Individuum, jemehr es zukunftbestimmend ist, Leiden. Dies istdie tiefste Auffassung des Leidens: die gestaltendenKräfte stossen sich. Die AAreinzelung des Individuumsdarf nicht täuschen, — in Wahrheit fliesst etwas fortunter den Individuen. Dass es sich einzeln fühlt, istder mächtigste Stachel im Processe selber nach fernstenZielen hin: sein Suchen für sein Glück ist das Mittel,welches die gestaltenden Kräfte anderseits zusammenhältund mässigt, dass sie sich selber zerstören.