402
203 -
Die Liebe zum Leben ist beinahe der Gegensatz derLiebe zum Lang-Leben. Alle Liebe denkt an den Augen-blick und die Ewigkeit, — aber nie an „die Länge“.
204.
Seinem Affecte einen Namen geben ist schon einSchritt über den Affect hinaus. Die tiefste Liebe zumBeispiel weiss sich nicht zu benennen und fragt sichwohl: „bin ich nicht Hass?“
205.
Ein bischen Neid im Ursprünge, — und hinterdreineine grosse Liebe? So entsteht eine Explosion durch dieReibung eines Zündhölzchens.
206.
Die Opfer, die wir bringen, beweisen nur, wie wenigwerth uns jedes andre Ding wird, wenn wir etwas lieben.
207.
Nicht durch Gegenliebe hört das Unglück des un-glücklich Liebenden auf, sondern durch Mehr-Liebe.
208.
Nicht was uns hindert, geliebt zu werden, sondernwas uns hindert, ganz zu lieben, hassen wir am meisten.
zog.
Dem unglücklich Liebenden redet sein Stolz zu, dieGeliebte verdiene es gar nicht, von ihm geliebt zu wer-den. Aber ein höherer Stolz sagt ihm: „Niemand verdientgeliebt zu werden, — du liebst sie nur nicht genug!“