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198.
Zur Lehre vom Stil.
1.
(Vgl. Wanderer und sein Schatten, Aph. 110.)
Das erste, was Noth thut, ist Leben: der Stil sollleben.
2 .
Der Stil soll jedes Mal dir angemessen sein in Hin-sicht auf eine ganz bestimmte Person, der du dich mit-theilen willst. (Gesetz der doppelten Relation.)
3 -
(Vgl. Wandrer und sein Schatten, Aph. 116.)
Man muss erst genau wissen: „so und so würde ichdies sprechen und vortragen“, — bevor man schreibendarf. Schreiben soll nur eine Nachahmung sein.
4 -
(Vgl. Bd. X, S. 298, Lesen und Schreiben, Aph. 6.)
Weil dem Schreibenden viele Mittel des Vortragen-den fehlen, so muss er im allgemeinen eine sehr aus-drucksreiche Art von Vortrag zum Vorbilde haben:das Abbild davon, das Geschriebene, wird nothwendigschon viel blässer (und dir natürlicher) ausfallen.
5 -
Der Reichthum an Leben verräth sich durch Reich-thum an Geb erden. Man muss alles, Länge und Kürzeder Sätze, die Interpunctionen, die Wahl der Worte, diePausen, die Reihenfolge der Argumente — als Geberdenempfinden lernen.