5- Kunst und Künstler.
174 -
(Vgl. Menschliches I, Aph. 377; Meinungen u. Sprüche, Aph. 274.)Weib und Genie arbeiten nicht. Das Weib war bis-her der höchste Luxus der Menschheit. In allen Augen-blicken, wo wir unser Bestes thun, arbeiten wir nicht.Arbeit ist nur ein Mittel zu diesen Augenblicken.
175 -
(Vgl. Meinungen und Sprüche, Aph. 99; Bd. XI, Nachträge zur Morgen-röthe, Aph. 118.)
Meine Richtung der Kunst: nicht dort weiterdichten,wo die Grenzen sind, sondern die Zukunft desMenschen! Viele Bilder müssen da sein, nach denen ge-lebt werden kann!
176.
Schönheit des Leibes, — das ist von den Künstlernzu „oberflächlich“ gefasst worden: dieser Oberflächen -Schönheit müsste eine Schönheit im ganzen Gebäudedes Organismus nachfolgen; — insofern reizen diehöchsten Bilder zu Erschaffung schöner Men-schen: das ist der Sinn der Kunst, — sie macht un-zufrieden, wer sich vor ihr beschämt fühlt, und schaffens-lustig, wer Kraft genug hat. Die Folge eines Dramasist: „So will ich auch sein, wie dieser Held,“ —Anreizungder schöpferischen, auf uns selber gewendeten Kraft!