Druckschrift 
12 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 4 (1897) Schriften und Entwürfe 1881 - 1885 : Die Wiederkunft des Gleichen; Nachträge zur "Fröhlichen Wissenschaft"; Vorarbeiten und Nachträge zu "Also sprach Zarathustra"; Bruchstücke zu den Liedern Zarathustra's; Gedicht-Fragmente; Böse Weisheit: Aphorismen und Sprüche
Entstehung
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

2Ö7

199 -

Von den Krämern.

(Vgl. vom Vorübergehen und von alten u. neuen Tafeln, Abschn. 12, 21.)

Zum Eigennutz sind die meisten zu wahnsinnig: ihrGlück macht sie alle wahnsinnig.

Sie opfern alles für eins: das ist irgend eine Liebe.Dieser Eigensinn und Eigen-Hang hängt über allen.

Aus ihrer Liebe quillt ihnen ihr heisser Wahnsinn:der aber ist ein schlechter Rechner und verachtet diekalten Krämer-Tugenden.

Die Krämer-Tugend nämlich, des Krämers geld-klebrige Finger und lüsternes Auge, das ist nochunter der Würde des Thiers.

O diese engen Krämer-Seelen! Wenn das Geld inden Kasten springt, springt des Krämers Seele mit hinein.

Wessen Seele eine Geldkatze und wessen Glückschmutzige Papiere waren, wie möchte dessen Blut jerein werden?

Bis ins zehnte Geschlecht noch wird es matt undfaulicht fliessen: der Krämer Nachkommen sind unan-ständig.

Und wo ich der Krämer lange Finger sehe, zieheichs vor, den Kürzeren zu ziehn.

Lieber noch Händel als Händler!

Sprich früh und Abends:Ich verachte den Krämer,ich will ihm die langen Finger zerbrechen.

Nun ist alles wohlgethan! Denn jetzt tragen dieKrämer Säbel und Schnauzbärte, und selber das Regi-ment ist zu den Krummbeinigen kommen.

Alles, was bezahlt werden kann, ist wenig werth:diese Lehre speie ich den Krämern ins Gesicht.