209
45 -
(Vgl. Genealogie d. Moral, 3. Abhdlg., Abschn. 13, 14; Antichrist, Cap. 6, 14.)
Geschichte ist Entwicklung der Zwecke in derZeit: so dass immer Höhere aus den Niedrigen wachsen.Zu erklären, warum immer höhere Formen des Lebensentstehen müssen. Darüber sind ja die Teleologen undDarwinisten eins, dass es geschieht. Aber das Ganze isteine Hypothese, auf Grund der Werthschätzungen,
— und zwar neuer Werthschätzungen. Das Umgekehrte,dass alles bis zu uns herab Verfall ist, ist ebenso be-weisbar. Der Mensch, und gerade der Weiseste, als diehöchste Verirrung der Natur und Selbstwiderspruch(das leidendste Wesen): bis hieher sinkt die Natur. DasOrganische als Entartung.
46.
(Vgl. Jenseits, Aph. 203.)
Der höchste Gesichtspunkt auch des socialis-tischen Jesuitismus: Beherrschung der Menschheitzum Zweck ihrer Beglückung. Beglückung der Mensch-heit durch Aufrechterhaltung der Illusion des Glaubens.
Dazu meine Gegenbewegung: Beherrschungder Menschheit zum Zweck ihrer Überwindung.Überwindung durch Lehren, an denen sie zu Grundegeht, ausgenommen die, welche sie aushalten.
„Der Zweck des Menschen ist die Arterhaltung,und nur insofern auch die Erhaltung seiner Person“
— jetzige Theorie.
47 -
Die „Wahrheit“, die „Vernichtung der Illusionen“,„auch der moralischen Illusion“, •— als das grosseMittel der Überwältigung der Menschheit (ihreSelbstzerstörung!)
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XII. 14