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Hüten wir uns, eine solche Lehre wie eine plötzlicheReligion zu lehren! Sie muss langsam einsickern, ganzeGeschlechter müssen an ihr bauen und fruchtbar werden,— damit sie ein grosser Baum werde, der alle nach-kommende Menschheit überschatte. Was sind die paarJahrtausende, in denen sich das Christenthum erhaltenhat! Für den mächtigsten Gedanken bedarf es vielerJahrtausende, — langelange muss er klein und ohn-mächtig sein!
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Erst müssen die Menschen die neue Begierde lernen,— und dazu muss jemand da sein, der sie ihnen erregt,ein Lehrer: ich vertraue, dass sie dann schon fein underfindsam genug sein werden, die Wege zur Befriedigungder Begierde selber zu finden, — schritt- und versuchs-weise, wie sie es gewöhnt sind. — Es thut nichts, wennmeine Vorschläge „unpracticabel“ sind, — sie sollen nurdem Appetit Reiz geben (zum Beispiel die Behandlungder Verbrecher).
232.
Eine neue Lehre trifft zu allerletzt auf ihre bestenVertreter, auf die altgesicherten und sichernden Naturen,weil in ihnen die früheren Gedanken mit der Fruchtbar-keit eines Urwalds durcheinandergewachsen und undurch-dringlich sind. Die Schwächeren Leereren KränkerenBedürftigeren sind die, welche die neue Infection auf-nehmen, — die ersten Anhänger beweisen nichts gegeneine Lehre. Ich glaube, die ersten Christen waren dasunausstehlichste Volk mit ihren „Tugenden“.
Nietzsche, Werke II. Abtheilung- Band XII.
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