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(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. n, HO.)
Wenn wir allmählich die Gegensätze zu allen unsernFundamentalmeinungen formuliren, nähern wir uns derWahrheit. Es ist zunächst eine kalte, todte Begriffs-welt; wir verquicken sie mit unsern andern Irrthümernund Trieben und ziehn so ein Stück nach dem andernin das Leben hinein. In der Anpassung an denlebenden Irrthum kann allein die zunächst immertodte Wahrheit zum Leben gebracht werden.
111.
(Vgl. oben S. 20, Aph. 26, 27.)
Die Wissenschaft hat immer mehr das Nachein-ander der Dinge in ihrem Verlaufe festzustellen, so dassdie Vorgänge für uns practicabel werden (zum Bei-spiel wie sie in der Maschine practicabel sind). Die Ein-sicht in Ursache und Wirkung ist damit nicht geschaffen,aber eine Macht über die Natur lässt sich so gewinnen.Der Nachweis hat bald sein Ende, und eine weitere Ver-feinerung hätte keinen Nutzen für den Menschen. — Bisjetzt war das die grosse Errungenschaft des Menschen, invielen Dingen die ihm mögliche Genauigkeit in derBeobachtung des Nacheinander zu erreichen und so fürseine Zwecke nachahmen zu können.
112.
(Vgl. Bd. XI, Nachträge zur Morgenröthe, Aph. 209.)
Wir sind irgendwie in der Mitte, — nach der Grösseder Welt zu und nach der Kleinheit der unendlichenWelt zu. Oder ist das Atom uns näher als das äussersteEnde der Welt? — Ist für uns die Welt nicht nur ein Zu-sammenfassen von Relationen unter einem Maasse? So-bald dies willkürliche Maass fehlt, zerfliesst unsre Welt!
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XII.
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