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(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 353; Jenseits von Gut und Böse,Aph. 194.)
Vielleicht lassen sich alle moralischen Triebe auf dasHaben-wollen und Halten-wollen zurückführen. DerBegriff des Habens verfeinert sich immer, wir begreifenimmer mehr, wie schwierig es ist zu haben, und wie sichdas scheinbare Besitzthum immer noch uns zu entziehnweiss; — so treiben wir das Haben in’s Feinere: bis zu-letzt das völlige Erkennen des Dings die Voraussetzungist, um es zu erstreben: oft genügt uns das völlige Er-kennen schon als Besitz, es hat keinen Schlupfwinkel mehrvor uns und kann uns nicht mehr entlaufen. Insofernwäre Erkenntniss die letzte Stufe der Moralität. Früheresind zum Beispiel: ein Ding sich zurecht phantasiren undnun zu glauben, dass man es ganz besitze, wie derLiebende mit der Geliebten, der Vater mit dem Kinde:welcher Genuss nun am Besitz! — aber uns genügt dader Schein. Wir denken uns die Dinge, die wir er-reichen können, so, dass ihr Besitz uns höchst werthvollerscheint: wir machen den Feind, über den wir zu siegenhoffen, für unsern Stolz zurecht: und ebenso das geliebteWeib und Kind. Wir haben zuerst eine ungefähre Be-rechnung, was wir alles überhaupt erbeuten können, —und nun ist unsre Phantasie thätig, diese zukünftigenBesitzthümer uns äusserst werthvoll zu machen (auchÄmter Ehren Verkehr u. s. w.). Wir suchen die Phi-losophie, die zu unserm Besitz passt, dass heisstihn vergoldet. Die grossen Reformatoren, wie Muhamed,verstehen dies, den Gewohnheiten und dem Besitz derMenschen einen neuen Glanz zu geben, — nicht „etwasanderes“ sie erstreben zu heissen, sondern das, was siehaben wollen und können, als etwas Höheres zu