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Geist, der sich aus den Banden alter Verehrung gelöst hat, dersich vorahnend bewusst ist, dass die Wege seiner eigenen,zur Freiheit und Meisterschaft führenden Entwicklung ihn zumAntipoden seines alten Meisters machen werden, der aber mitmilde betrachtendem Auge und mit dem Gefühl des persön-lichen Dankes für grosse unersetzbare Erlebnisse und Förde-rungen auf seiner überwundenen Vergangenheit ruht. In derReihe der Bekenntnisse Nietzsche’s über Wagner ist dieserEntwurf das verbindende Mittelglied, das von den „Gedankenüber Wagner“ aus dem Januar 1874 (Bd. X, S. 398 fr.) zu denschonungslos scharfen Angriffen in den Nachträgen zur „Morgen-röthe“ (Aph. 416—448 und Aph. 576—580) und im „FallWagner“ hinüberleitet.
Die Schrift ist über die Entwürfe der ersten Conceptions-stufe nicht hinausgekommen: drei Notizbücher enthalten die
noch ungeordneten, meist mit Bleistift gemachten Gedanken-skizzen. Die Vermuthung ist erlaubt, dass Wagner’s verdeckte,persönlich gehässige Angriffe im Augustheft der „BayreutherBlätter“ (Publicum und Popularität No. 3) die Ausführung diesesPlanes abgeschnitten haben. — Bei der Abfassung der „Mei-nungen und Sprüche“ benutzt Nietzsche diese Aufzeichnungenvielfach, indem er die einzelnen Gedanken ihrer directen Be-ziehung auf die Kunst und Persönlichkeit Wagner’s entkleidetund zu unpersönlich gefassten Sentenzen umformt. Um denGesammteindruck dieser Entwürfe nicht zu verwischen, sindNietzsche’s ' Gedanken in ihrer Urgestalt abgedruckt worden,ohne Rücksicht darauf, dass sie im zweiten Bande des „Mensch-lichen“ wieder verwendet worden sind. Vielleicht liegt ein eignerReiz darin, den Meister des Aphorismus bei seiner umbildendenArbeit zu belauschen.
Bei der Anordnung des Stoffes ist der Herausgeber, soweites anging, Nietzsche’s eignem, auf Seite 89 gegebenen Planegefolgt; die Capitelüberschriften und die Einordnung des Ein-zelnen rühren vom Herausgeber her.
Ausgewählte Lichtstrahlen aus dem „Neuen Umblick“ sindin der „Zukunft“ vom 23. Januar 1897 veröffentlicht.