409
6o6.
Manche Philosophen entsprechen vergangenen Zu-ständen, manche gegenwärtigen, manche zukünftigen undmanche unwirklichen.
607.
Ist nicht unsere Denkfreigeisterei als ein übertrie-benes einseitiges Handeln aufzufassen, dem das Gegen-gewicht abhanden gekommen ist? Wird nicht auch derKünstler häufig durch sein künstlerisches Schaffen ausseinem Centrum geworfen? Sind nicht Sich-verhehlen,Sich-vergessen, Sich-verleugnen die Gefahren des frucht-baren Einsamen?
608.
Der beste und geistigste Mensch hat den grobenbeleidigenden Anblick des betrügenden und absichtlichsich bejahenden Menschen (auf Unkosten der andern)von seinen Augen entfernt, er hat sich in so feine undschleierhafte Sphären zurückgezogen, wo jenes Elementengelhaft erscheint. Er ist der feinste Ungerechte, erhat verstanden, den Augenschein gegen seine Un-gerechtigkeit zu haben.
609.
(Vgl. oben S. 365, Apk. 451.)
Habt ihr euch geübt, an andre zu denken und fürsie etwas zu thun, so bleibt, wenn euch unmöglich ist,euer Ziel zu erreichen, sehr viel übrig: nämlich das derandern zu fördern. Es ist gut und klug, diese zweiSaiten zum Spielen zu haben. Die andern begreifen undauf uns von ihnen aus hinzusehen, ist unentbehrlich fürden Denker.