397
570 .
(Ygl. Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 502.)
Vor jedem Einzelnen sind wir voll hundert Rück-sichten: aber wenn man schreibt, so verstehe ich nicht,warum man da nicht bis an den äussersten Rand seinerEhrlichkeit vortritt. Das ist ja die Erholung!
571-
(Vgi. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 96.)
Ich könnte volltönend und heftig und hinreissendmeine Sache Vorbringen, wie ich sie empfinde, — aberhinterher bin ich halbtodt und leidend, auch voller Ver-druss, über Übertreibungen, Auslassungen u. s. w. Andrehaben in der Leidenschaft erst ihren Geist ganz: ich inder unterdrückten und bekämpften Leidenschaft. Esthut mir alles wohl, was mich an diesen meinen Zu-stand erinnert!
572 .
Mein früherer Stil: weite Perspectiven, viel Ver-hülltes, Geheimnissvolles, Wunderbares. Die Thatsachenaufblitzend wie scheinbare Erhellungen dieser Geheim-nisse. Grundglaube: das Wesen nicht mittheilbar, einegehobene ahnungsvolle Stimmung macht Offenbarungen.Die Nüchternheit schadet diesem Verständniss. Diecontemplative Ruhe und die Erinnerung an Furchtbaresund Sehnsüchtiges wechseln ab.
573 -
(Vgl. oben S. 396, Aph. 566.)
Sie machen es sich leicht und suchen mich ausdem Übergange in’s andre Extrem zu verstehen, — siemerken nichts von dem fortgesetzten Kampfe und dengelegentlichen wonnevollen Ruhepausen im Kampfe, mer-